Das Thema Abwärmenutzung mittels Adsorptionskälte stand bereits in diesem Jahr auf der Agenda des DC2HEAT-Begleitkreises. Dort stellte Sören Paulußen, Geschäftsführer der Enicon Energiesysteme GmbH, den aktuellen Stand der Technik vor. Daraus ist nun ein ausführliches Interview mit DataCenter-Insider-Redakteur Harald Lutz entstanden.
Im Gespräch erläutert Paulußen, welche Entwicklungen der Adsorptionskältetechnik neue Potenziale für den Einsatz in Rechenzentren eröffnen. Drei Komponenten spielen dabei zusammen: neuere Materialien (MOFs), eine neue, patentierte Bauform der internen Wärmeübertragung sowie der Sprung in eine deutlich höhere Leistungsklasse bis in den Megawattbereich.
Die für die Rechenzentrumsbranche entscheidende Neuerung ist dabei Folgende: Die benötigte Eingangstemperatur der Wärme für die Adsorptionskältemaschine ließ sich von bislang rund 65 auf etwa 50 Grad Celsius senken. Damit wird die Technologie erstmals auch für wassergekühlte und hybride Rechenzentren mit Direct Liquid Cooling wirtschaftlich interessant: Die Serverabwärme lässt sich so ohne zusätzlichen Stromeinsatz in Kälte umwandeln – mit der sich wiederum jener Wärmeanteil abführen lässt, der weiterhin über Luft anfällt. Für rein luftgekühlte Bestandsrechenzentren sieht Paulußen dagegen kaum wirtschaftliches Potenzial.
Einen Ausblick gibt er zudem auf das Konzept der „kalten“ Fernwärme, mit der sich auch 50-Grad-Abwärme in Wärmenetze einspeisen ließe.
Erste Live-Tests der neuen Adsorptionstechnik sind für den Herbst 2026 in mehreren Rechenzentren geplant.